Im Rahmen meines Promotionsvorhabens beschäftige ich mich mit der Sammlungsgeschichte der Stadt Leipzig im 18. Jahrhundert. Auf der Grundlage zeitgenössischer Reiseberichte, Adressbücher sowie gedruckter Sammlungsverzeichnisse und Auktionskataloge lassen sich bis etwa 1800 mehr als 90 Sammlungen mit rund 100 Sammlern in Leipzig nachweisen. In der Mehrzahl handelte es sich dabei um naturwissenschaftlich-technische Sammlungen (Naturalienkabinette), doch waren auch Kollektionen mit Werken der bildenden Kunst in nicht unbedeutender Zahl vertreten. Zu den Sammlerpersönlichkeiten zählten in erster Linie Vertreter wohlhabender Bankiers- und Kaufmannsfamilien, daneben aber auch Apotheker, Universitätsgelehrte, städtische Beamte, Kunsthändler und sogar Künstler.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die heute nicht mehr bestehende Kunstsammlung des Leipziger Bankiers und Kaufmanns Gottfried Winckler (1731–1795). Er gehörte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den bedeutendsten bürgerlichen Kunstsammlern Leipzigs und war - neben Johann Thomas Richter (1728-1773) - eine der prägendsten Sammlerpersönlichkeiten der Stadt. Wincklers Sammlung war öffentlich zugänglich und hatte erheblichen Einfluss auf das Leipziger Kunstleben und die Ausbildung angehenden Künstler an der 1764 gegründeten Kunstakademie. Seine Erwerbungen erfolgten auf dem lokalen Kunstmarkt ebenso wie über den holländischen und Pariser Kunsthandel, wobei er mit Kunstkennern und Händlern wie Johann Georg Wille und Johann Heinrich Eberts in Verbindung stand. Einen besonderen Schwerpunkt seiner Sammlung bildeten Werke Rembrandts und seines Umkreises, darunter das heute im Los Angeles County Museum of Art befindliche Gemälde "Auferweckung des Lazarus" von Rembrandt.
Ziel meiner Arbeit ist die Rekonstruktion der Sammlung Winckler, insbesondere durch die Identifizierung und Lokalisierung der heute weltweit verstreuten Kunstwerke. Darüber hinaus werden Aufbau und Entwicklung der Sammlung im Hinblick auf Wincklers Verbindungen zu Kunstgelehrten, Kunsthändlern und Künstlern seiner Zeit untersucht. Eine besondere Rolle spielen hierbei die wechselseitigen Beziehungen zur Leipziger Kunstakademie. Anhand der Analyse von Reproduktionsgrafiken nach Gemälden und Handzeichnungen soll schließlich die Bedeutung der Sammlung Winckler sowohl für die Ausbildung der Künstler an der Kunstakademie als auch für die künstlerische Rezeption und Produktion seiner Zeit näher erforscht werden.