Dokumentation von Werk- und Nachlassbeständen

Nachlass des Bildhauers Robert Propf

Bearbeitungszeitraum: 09/2020 – 12/2020

Online-Stellung des Verzeichnisses: 02.01.2021

Online-Verzeichnis: https://werkdatenbank.bbk-sachsenanhalt.de/

Der Bildhauer Robert Propf in seinem Atelier im Schloss Köthen. Fotografie von 1960/61. Fotograf: unbekannt
Robert Propf in seinem Atelier im Schloss Köthen (1960/61). Foto: unbekannt

Der Nachlass von Robert Propf (1910–1986) wurde im Juli 2019 zusammen mit zehn weiteren Vor- bzw. Nachlässen bildender Künstler/-innen von einer Fachjury aus Vertretern/-innen der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, des Kunstmuseums Magdeburg, der Feininger-Galerie Quedlinburg sowie freien Kunstwissenschaftlern/-innen zur Aufnahme in das vom Land Sachsen-Anhalt geförderte Digitalisierungsprojekt Pilotverzeichnisse der Werk-Datenbank Bildende Kunst Sachsen-Anhalt ausgewählt. Das Nachlassverzeichnis mit insgesamt 62 Werken ist im Jahr 2020 auf Werkvertragsbasis erarbeitet und am 2. Januar 2021 in der Werk-Datenbank Bildende Kunst Sachsen-Anhalt online gestellt worden. Das Œuvre Propfs beinhaltet neben zahlreichen autonomen grafischen Arbeiten vor allem monumentale Denkmalplastik, Bauplastik und -ornamentik, Grabmal- und Brunnenplastik, Porträtplastik, Plaketten und Medaillen, Sgraffiti, Mosaike und Scagliola sowie sakrale Kunst wie Glasbildfenster und Kirchenmöbel. Propf hat in Holz, Messing, Kupfer, Terrakotta und Stein sowie mit Bronze, Eisen und Kunststein gearbeitet. Robert Propfs bildhauerisches Gesamtschaffen umfasst etwa 1.300 Werke.

Aufbau Fotodokumentation des Nachlassbestandes (Depot). Foto: Sven Pabstmann
Fotodokumentation des Nachlassbestandes. Foto: Sven Pabstmann

Der Nachlass befindet sich in Familienbesitz und umfasst etwa 60 Skulpturen (Gipsmodelle), 90 Plaketten und ca. 1.800 Zeichnungen. Aus dem Nachlassbestand wurde eine repräsentative Werkauswahl getroffen und um einige weitere Arbeiten, die sich im öffentlichen Raum und in musealen Sammlungen befinden, erweitert. Dem Schwerpunkt von Propfs Schaffen folgend wurden ausschließlich Bildhauerwerke aus den frühen 1940er Jahren bis um das Jahr 1980 ausgewählt.

Das umfangreiche Zeichnungskonvolut blieb unberücksichtigt, da die Durchsicht und die Bearbeitung dieses unerschlossenen Bestandes im Rahmen des Projektes zu zeitaufwendig gewesen wäre. Alle Werke wurden mit Ausnahme derjenigen in Museumsbesitz von Joerg Lipskoch fotografisch dokumentiert.

Aufbewahrung mit Porträtmedaillon "Cornelia Irene" (1955). Foto: Sven Pabstmann
Aufbewahrung mit Porträtmedaillon "Cornelia Irene" (1955). Foto: Sven Pabstmann

Das Nachlassverzeichnis ist in mehrere Einzelverzeichnisse aufgeteilt. Hierbei war die Überlegung leitend, anhand verschiedener Werkgruppen sowohl die thematische als auch die technische Vielseitigkeit im künstlerischen Schaffen von Robert Propf herauszustellen.

Für das Verzeichnis Baugebundene Kunst sind vier monumentale Wandreliefs aus den frühen 1950er Jahren in Halle (Saale) und Köthen (Anhalt) ausgewählt worden, die beispielhaft für Propfs frühe Bauplastik stehen. Propf hat zahlreiche bauplastische Werke geschaffen, von denen heute aber nur noch in geringer Teil in seiner Originalsubstanz erhalten ist. Aus dem umfangreichen kleinplastischen Nachlassbestand wurden 12 Werke für das Verzeichnis der Kleinplastik gewählt und mit vier weiteren Werken aus dem Sammlungsbestand des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) ergänzt.

Kalikumpel II (1958, vorn) und Bergmann (1949, hinten). Foto: Sven Pabstmann
Kalikumpel II (1958, vorn) und Bergmann (1949, hinten). Foto: Sven Pabstmann

In das Verzeichnis Plastik wurden 21 Skulpturen aufgenommen, die Propfs Hauptschaffensphase von der Mitte der 1940er bis zum Ende der 1960er Jahre dokumentieren. Häufig handelt es sich bei den kleinformatigen Figuren um Gipsmodelle für später in größerem Maßstab ausgeführte Auftragswerke, aber auch mehrere freie Arbeiten befinden sich darunter, in denen Propf z. B. die Eindrücke seiner Reisen in den Nahen und Fernen Osten verarbeitet hat. Die Auswahl für das  das Verzeichnis Kunst im öffentlichen Raum umfasst vier Werke, vorrangig Gedenk- und Ehrenmale, aus verschiedenen Schaffensphasen und an unterschiedlichen Standorten.

Porträtkopf "Cornelia I" (1946). Foto: Sven Pabstmann
Porträtkopf "Cornelia I" (1946). Foto: Sven Pabstmann

Während seines gesamten Schaffens hat sich Propf zudem immer wieder intensiv mit dem menschlichen Erscheinungsbild auseinandergesetzt und zahlreiche Porträts geschaffen. Aus den im Nachlassbestand vorhandenen Bildnisbüsten wurden fünf Hauptwerke, wie z. B. die einfühlsam gestalteten Kinderbildnisse seiner beiden Töchter sowie das Porträt einer vietnamesischen Studentin, für das Verzeichnis der Porträtplastik ausgewählt.

Propfs Spätwerk ist durch eine auffallend große Anzahl sakraler Kunstwerke geprägt, die er ab der Mitte der 1960er bis etwa Anfang der 1980er Jahre für zahlreiche katholischen Gemeinden des Bistums Magdeburg schuf. Hierbei gehörten zu Propfs Gestaltungsaufgaben mehrere groß dimensionierte Kreuzwege, aber auch Taufsteine, Madonnen- und Heiligenfiguren sowie Kruzifixe. Insgesamt 12 Sakralwerke in Kirchen der Lutherstadt Eisleben und Köthen (Anhalt), darunter zwei Kreuzwegstationen mit jeweils 14 bzw. 15 Einzelbildern, wurden für das Verzeichnis Sakralkunst digital dokumentiert und kunstwissenschaftlich bearbeitet.